Sollten Sie Ihren Koffeinkonsum runterschrauben?

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von Dawn Youmanns MPH (Master of Public Health):

Koffein. Es umgibt uns von allen Seiten. An jeder Ecke gibt es einen Starbucks und eine Fülle von anderen koffeinhaltigen Getränken sind immer in unserer Reichweite. Millionen von Menschen geben an, dass sie nicht ohne Koffein funktionieren können und den Tag über damit „aufzutanken“ gehört zur alltäglichen Routine. Für andere ist Koffein ein gelegentliches Energieschub- oder Genussmittel. Neueste Studien haben gezeigt, dass 2013 83% aller amerikanischen Erwachsenen Kaffee trinken - dies bedeutet einen Anstieg von 5% im Vergleich zum vorherigen Jahr. Derzeit beträgt der durchschnittliche Kaffeekonsum drei Tassen pro Tag (2,6 Tassen/Tag in Deutschland).

Doch was genau ist Koffein? Ist es ein hilfreiches Mittel, um Ausdauer und Konzentration zu verbessern, oder ist es ein abhängig machendes Aufputschmittel, das mehr Schaden als Nutzen bringt? Je beliebter Koffein wird, desto mehr verdienen wir, genau darüber Bescheid zu wissen.

Meinungen und Studien, die sich mit diesem umstrittenen Thema beschäftigen, sind umfangreich und breit gefächert. Obwohl verschiedene Studien behaupten, Koffein fördere mentale und emotionale Fähigkeiten, zeigen andere die Verbindung zwischen Koffein und gesundheitlichen Problemen.

Koffein, Energie und Produktivität

Koffein ist bekannt für seine energiebringende Wirkung. Viele Leute behaupten, sie bräuchten Kaffee, um ihre Konzentration, Ausdauer und Produktivität zu verbessern. Mehrere Studien scheinen, diese Behauptungen zu unterstützen. Das Problem ist nur, dass viele Studien fehlerhafte Methoden benutzt haben, die die Gewohnheiten der Teilnehmer in Bezug auf Koffein nicht berücksichtigt haben.

Wissenschaftler der Johns Hopkins Medical School kamen zu dem Schluss, dass die Leistungssteigerung, die durch Koffein erzielt wurde, das Ergebnis einer Aufhebung des Koffeinentzugs war. Mit anderen Worten verbesserte sich die Leistung der Teilnehmer nur, wenn sie vor ihrer Teilnahme an der Studie bereits Kaffeekonsumenten waren. Als die Wissenschaftler die Studienergebnisse der Teilnehmer, die nicht durch einen Kaffeeentzug gingen überprüften, verbesserte Koffein ihre Leistung nicht.

Wenn eine Person Koffein zu sich nimmt, wird im Körper Adrenalin freigesetzt und man wird in einen aufgedrehten Zustand versetzt, in dem die Stimmung angehoben ist. Während dies einem müden Studenten helfen wird, wach zu bleiben, führt der Mangel an Sauerstoff, der dadurch ebenfalls ausgelöst wird dazu, dass man weniger ruhig und rational ist. Bestandteile, die in Koffein nachgewiesen wurden, beeinträchtigen außerdem das Nervensystem und haben Einfluss auf das kardiovaskuläre System und die Nieren. Für diejenigen, die nicht genügend Wasser trinken, verschlimmert Koffein dieses Problem noch zusätzlich, da es harntreibend wirkt. Der Körper verliert mehr Wasser und der Durst wird nicht gestillt.

Hoher Koffeinkonsum steht im Zusammenhang mit vielen negativen Symptomen, darunter:

- Reizbarkeit

- Schlaflosigkeit/Schlafstörungen

- Unruhe

- Belastung des Herzens (macht zittrig, nervös, schwindelig)

- Erhöhung des Blutdrucks

- Kopfschmerzen

- Sodbrennen

- Magenschmerzen/Magenverstimmungen

- Dehydration (aufgrund der harntreibenden Wirkung)

Koffein und Schlaf

Das National Geographic Magazin bezeichnet Koffein als „psychoaktive“ Droge, die die beruhigende Wirkung des Adenosins blockiert und uns so hilft, wach zu bleiben - damit jedoch gleichzeitig den natürlichen Schlafzyklus durcheinanderbringt. Während Koffein vielen dabei hilft, länger zu arbeiten und mehr zu schaffen, leiden darunter Körper und Geist. Die Auswirkungen kann man beobachten, wenn man sich die amerikanische Gesellschaft ansieht. Sehr viele Menschen leiden an chronischer Müdigkeit und Schlafentzug.

Neben der Tatsache, dass einem das Einschlafen durch Koffein schwerer fällt, wird dadurch auch die Schlafqualität beeinträchtigt. Koffein stört die dringend benötigten REM-Schlafphasen. Dies trägt dazu bei, dass man den üblen Kreislauf fortsetzt, der darin besteht, dass man sich schon beim Aufwachen müde fühlt und deshalb zu mehr Koffein greift, um den benötigten Energieschub zu bekommen. Den Koffeinkonsum zu reduzieren oder völlig einzustellen kann dabei helfen, den natürlichen Schlafzyklus zu verbessern.

Schlaf ist besonders in der Pubertät wichtig. Im Reifungsprozess des Gehirns findet ein großer Teil der Entwicklung während des Schlafs statt. Experten sind besorgt, da der Verbrauch von Koffein unter Jugendlichen in den letzten Jahren erheblich angestiegen ist.

Koffein und Kinder

Das bringt uns zum Thema Kinder. Studien, die im Journal of Caffeine Research veröffentlicht wurden, haben aufgezeigt, dass Koffeinkonsum während der Schwangerschaft im Zusammenhang mit untergewichtigen Neugeborenen steht. In vielen Ländern, wie z.B. Irland, wird Koffein als ungeeignet für schwangere Frauen angesehen. Der berühmte Epidemiologe Geoffrey Rose, empfiehlt für gefährdete Gruppen, wie Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen minimalen Verbrauch von Koffein oder gänzlichen Verzicht. Leider haben viele Babys aufgrund des Koffeinkonsums ihrer Mutter schon bei der Geburt Spuren von Koffein im Blut.

Kinder nehmen regelmäßig Koffein durch Softdrinks und Schokolade auf. Obwohl Wissenschaftler behaupten, wenige Dosen Koffein pro Tag seien nicht toxisch, ist es schwer, Sicherheitsrichtlinien festzusetzen. Diese hängen von Verdauung, Geschlecht, Lebensstil und Genen der jeweiligen Person ab. Was Kinder betrifft, wird zum völligen Verzicht geraten.

Neben den koffeinhaltigen Getränken fügen einige Firmen Koffein nun auch den Lebensmitteln bei. Bestimmte Kaugummis, Waffeln, Schaumzucker (Marshmallows) und Sirups sind nur einige der Produkte, die auf diese Art und Weise „aufgewertet“ werden. Verrückt, nicht wahr? Die FDA(Food and Drug Administration; behördliche Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten)

hat Bedenken geäußert, Produkten wie diesen Koffein hinzuzufügen, da sie für Kinder leicht zugänglich sind und hohe Dosen an Koffein enthalten können. Beispielsweise enthält eine Packung Kaugummi einer bestimmten Marke in etwa die gleiche Menge an Koffein wie vier Tassen Kaffee.

Energy Drinks

Energy Drinks, die große Mengen an Koffein und anderen Aufputschmitteln enthalten, sind unter Jugendlichen sehr beliebt geworden. Viele Experten sind aufgrund dieses Trends besorgt. Eine kürzlich durchgeführte Studie über die gesundheitlichen Risiken dieser beliebten Energy Drinks, untersuchte die Symptome, die in Verbindung mit dem Konsum dieser Getränke stehen. Sie umfassten neben Zittern, Herzklopfen, Unruhe und Beschwerden des Darmtrakts auch ernsthaftere Auswirkungen, wie Krampfanfälle, Halluzinationen und kardiale oder neurologische Toxizität. Nicht nur der Koffeingehalt solcher Getränke ist enorm; Soft Drinks und Energy Drinks beispielsweise enthalten außerdem Unmengen an Zucker, was ein weiterer kritischer Aspekt ist, da dadurch das Risiko für Übergewicht und andere Lebensstil-Erkrankungen ansteigt.

Es wurde gezeigt, dass auf vielen Energy Drinks nicht explizit vor den möglichen gesundheitlichen Risiken gewarnt wird. Eine Auflistung dieser Warnungen ist bei Energy Drinks nicht verpflichtend, wie dies für andere koffeinhaltige Getränke der Fall ist. Es gab Fälle, die gezeigt haben, dass die Auswirkungen regelmäßigen Genusses von Energy Drinks ernsthafte Folgen, wie Schlaganfall, Krampfanfälle und in wenigen Fällen sogar Tod einschließen. Die U.S. Substance Abuse & Mental Health Services erklärte, dass das Aufsuchen eines Notarztes aufgrund des Konsums von Energy Drinks im Jahre 2011 um 36% angestiegen sei und Bruce Goldberger, Leiter der forensischen Toxikologie an der University of Florida, wies darauf hin, dass die Risiken solcher Getränke unterschätzt werden.

Das Fazit

Es wird gesagt, dass ein wenig Wein gut für den Körper sei. Dies ist nur zum Teil wahr. Während einige Bestandteile des Weins Nutzen bringen, ist der Alkohol, den er enthält schädlich. Außerdem kann man die gesundheitsfördernden Eigenschaften auch durch den Konsum anderer Produkte, wie reinem Traubensaft erhalten. Das gleiche Argument kommt auch bei Koffein zum Tragen. Würden Sie etwas Gesundes wie z.B. Wasser zu sich nehmen, wenn es nur eine ganz kleine Menge an Gift enthalten würde? Natürlich nicht!

Während also einige Studien behaupten, moderater Gebrauch von Koffein bringe positive Ergebnisse, gibt es zahlreiche Studien, die das Gegenteil beweisen und die Öffentlichkeit warnt, Koffein als das anzusehen, was es wirklich ist: eine süchtig machende Droge. Natürlich ist Koffein legal und wird stark angepriesen - aber das gleiche gilt für Zucker, und die meisten Menschen sind sich der Gefahren von hohem Zuckerverbrauch bewusst. Bleiben Sie also auf der sicheren Seite, tun Sie Ihrem Körper was Gutes und trinken Sie genügend gutes, „altmodisches“ Wasser, welches auf natürliche Weise die Funktionsfähigkeit Ihres Gehirns steigern und Ihnen Energie verleihen wird.

Quelle: Life and Health Network