Sieben tödliche psychologische Sünden: 3. Selbstmitleid

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von Jennifer Jill Schwirzer (M.A.):

Ich selbst habe persönliche Erfahrungen mit Selbstmitleid gemacht. Mit meinem künstlerischen Temperament und meiner Tendenz zur Depression, habe ich in einigen Abschnitten meines Lebens das Selbstmitleid zu einem Kunstwerk gemacht. Ich habe die Sünde des Selbstmitleids bereut und habe einen besseren Weg kennen gelernt und das möchte ich mit dir teilen.

Doch schauen wir uns zunächst an, was die Wissenschaft über Selbstmitleid sagt. Selbstmitleid steht im Zusammenhang mit Depression und mit der so genannten „externalen Kontrollüberzeugung“ - dem Glauben, dass alles, was einen Einfluss auf mich hat, von außen kommt und ich nichts dagegen tun kann. Selbstmitleid korreliert auch mit innerem Ärger oder Zorn und führt dazu, dass man vermehrt über eine Sache nachgrübelt. Das bedeutet, dass man gewisse Dinge immer und immer wieder durchdenkt oder im Gedanken erlebt. Außerdem steht Selbstmitleid in Verbindung mit Einsamkeit und mit Misstrauen.

Selbstmitleid gründet sich auf der Annahme, dass ich ein Opfer bin. Diese Grundlage muss sich verändern, damit wir von unserem Selbstmitleid freiwerden. Wir brauchen anstelle einer „externalen Kontrollüberzeugung“ eine „internale Kontrollüberzeugung“. Eine externale Kontrollüberzeugung nimmt an, dass alles, was mir passiert, außerhalb meiner Kontrolle liegt. Doch im Gegensatz dazu fragt eine internale Kontrollüberzeugung: Wie kann ich mit den Dingen umgehen, die mir passieren?

Ich gehöre zu den Leuten, die einige merkwürdige, schwer definierbare Krankheiten haben, die mir eine Menge an Schmerzen verursachen, aber mich nicht gleich umbringen. Als dies anfing, war ich erst um die dreißig Jahre alt. Die erste merkwürdige Krankheit, die mich befiel, katapultierte mich in einen Abgrund des Selbstmitleids. Es dauerte viele Monate an. Doch schließlich gewann ich die Kontrolle darüber und ich bemerkte, dass die Art und Weise, wie ich das, was mit mir geschah verarbeitete, alles noch schlimmer machte - und nicht besser.

Kürzlich machte sich ein anderes gesundheitliches Problem bemerkbar. Aber dieses Mal kannte ich die Falle des Selbstmitleids und ich fiel nicht ein zweites Mal in ein tiefes Loch. Stattdessen überlegte ich: Was kann ich tun, um dieses Problem zu lösen? Und ich muss sagen, dass wenn ich diese beiden Begebenheiten vergleiche, dass ich die zweite wirklich um einiges bevorzuge.

Der Ersatz für Selbstmitleid besteht darin, Verantwortung zu übernehmen. Aus irgendeinem Grund ist der menschliche Mechanismus ganz verdreht, wenn es darum geht Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen. Entweder neigen wir dazu unsere Schuld auf andere zu schieben, oder wir nehmen die Schuld, die eigentlich Andere zu tragen haben, auf uns. Es ist ein Zeichen von Reife, wenn man in der Lage ist, auf akkurate und angemessene Art und Weise die eigene Verantwortung übernehmen zu können.

Ich empfehle, dass das erste, was du tun solltest, um zu lernen verantwortungsbewusster zu sein, ist: Überlege dir fünf Dinge(Lösungsvorschläge), die dir in deiner momentanen Situation helfen könnten. Schreibe sie auf ein Blatt Papier. Dann bitte eine Person, der du Rechenschaft ablegen kannst und dem du vertraust, dir zu helfen deine Verantwortung zu übernehmen und die oben genannten fünf Aspekte anzuwenden.

Und abschließend möchte ich dir empfehlen, dass du das Gelassenheitsgebet lernst. Dass du lernst zu sagen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;

den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Über den Autor:

Jennifer Jill Schwirzer hat einen Master Abschluss als Beraterin für Mentale Gesundheit und übt diesen Beruf als lizensierte Fachberaterin aus. Sie ist eine weltweit gefragte Seminarsprecherin und hatte auch Sendungen beim US Fernsehsender 3ABN.

Quelle: Life and Health Network