Sieben tödliche psychologische Sünden: 2. Jammern & Co.

530

von Jennifer Jill Schwirzer (M.A.):

Ich glaube, dass man sich beschwert, weil man meint, Anspruch auf etwas zu haben. Wir verhalten uns oft wie aufgebrachte Kunden, die meinen, sie verdienen etwas Besseres. Und so sehen wir, dass das so genannte Anspruchsdenken die Grundlage für alles Jammern bildet - und damit müssen wir lernen umzugehen. Doch sich zu beschweren zieht eine ganze Menge an Problemen nach sich.

Zunächst einmal bekräftigt man jedes Mal, wenn man sich über etwas beklagt, diese negativen Gedanken. Was also passiert ist, dass das Problem in der eigenen Wahrnehmung mit jeder Beschwerde ein bisschen größer wird. Und sehr bald wird dein ganzes Denken von dieser negativen Einstellung ausgefüllt. Dies führt dazu, dass eine Person eine so genannte niedrige Frustrationstoleranz entwickelt. Man kann sich das so vorstellen, als ob jemand ein bis zum Rand gefülltes Glas Wasser herumträgt. All die negativen Gedanken reichen bis an die oberste Kante und der kleinste Extra-Tropfen bringt das Glas zum Überlaufen. Wenn man sich weiterhin auf das Negative konzentriert, dann wird man sich genau in der Situation wieder finden, in der man eine sehr niedrige Toleranz hat für alles was sich angesammelt hat.

Aber mal ehrlich: In Wirklichkeit gibt es viel Positives. Nicht alles im Leben ist schlecht. Es ist nicht alles gut und nicht alles schlecht. Wir haben die Wahl mit was wir uns beschäftigen wollen.

Man erzählt die Geschichte eines Cowboys. Er fuhr in seinem Truck die Straße entlang, hatte seinen Hund auf dem Rücksitz und sein Pferd im Anhänger, der an das Auto gekoppelt war. Es kam zu einem schrecklichen Unfall. Die Fahrzeugteile waren über die ganze Straße verstreut. Ein Polizist kam zur Unfallstelle und fand als erstes den Hund. Er sah, dass der Hund nicht überleben würde und erschoss ihn. Dann kam er zu dem Pferd und sah, dass auch das Pferd es nicht schaffen würde, und so erschoss er auch das Pferd. Schließlich kam er zu dem Cowboy, der aus seinem Truck geschleudert worden war. Er lag dort auf dem Boden und hatte zugesehen, wie der Polizist seine Tiere erschoss. Der Polizist schaute ihn an und sagte: „Wie geht es Ihnen?“, worauf der Cowboy antwortete: „Es ist mir noch nie besser gegangen.“

Wenn wir uns beklagen, dann bringt das ein gewisses Maß an Zufriedenheit. Dr. Phil fragte einmal: „Was ist der Lohn?“ Lohn bedeutet, dass wir etwas für das bekommen, was wir tun. In der Verhaltenspsychologie gibt es sogar einen Ausdruck, der folgendermaßen lautet: Jedes Verhalten hat eine Wirkung. Das bedeutet, dass wir mit allem was wir tun, entweder versuchen, etwas zu bekommen oder etwas zu vermeiden. Also in jedem Fall streben wir danach etwas zu erreichen, sodass wir selbst etwas davon haben. Selbst, wenn wir ein negatives Verhalten an den Tag legen, dass uns letztendlich schadet, dann führt es doch zu einer - zumindest temporären - Befriedigung.

Folglich ist es normalerweise so, dass man das Jammern in einem gewissen Maß genießt, und dass man es vielleicht sogar ein wenig als gerechtfertigt empfindet. Doch im Fall des Cowboys war der Lohn für das Beklagen sehr niedrig und der Lohn dafür, sich nicht zu beschweren sehr hoch. Deshalb beklagte er sich nicht.

Der Ersatz für das Klagen ist Dankbarkeit. Wenn wir erkennen, dass wir all die Segnungen, die uns jeden Tag unseres Lebens umgeben und auf uns herunterregnen gar nicht verdienen, dann fangen wir an, dankbar zu werden. Ich verschreibe Menschen, die immer negativ eingestellt sind Dankbarkeit - Menschen, die so in ihrer negativen Einstellung gefangen sind, dass sie sich dadurch selbst depressiv gemacht haben. Ich verschreibe sie wie man Tabletten verschreiben würde, und sage den Leuten, dass sie jeden Abend über drei Dinge nachdenken sollen, für die sie dankbar sind und diese drei Punkte einer anderen Person mitteilen müssen. Und dasselbe sollen sie wiederholen, wenn sie am Morgen aufstehen.

Es ist erstaunlich, wie schwer dies manchen Menschen fällt. Manchmal frage ich eine Person mitten in einem Beratungsgespräch: „Gibt es etwas, für das Sie dankbar sind?“ Und dann denken sie nach und versuchen, etwas zu finden und wenn ihnen irgendetwas Kleines eingefallen ist, dann fallen sie sofort zurück in ihr negatives Denken. Und am Ende erkläre ich ihnen dann: „Das eigentliche Problem sind nicht all die Schwierigkeiten in Ihrem Leben. Das Problem liegt darin, dass Sie sich nur auf diese Schwierigkeiten konzentrieren. Lassen Sie uns daran arbeiten, Ihren Fokus zu verändern."

Eine Studie, die sich über einen Zeitraum von zehn Wochen erstreckte, beschäftigte sich mit dem Einfluss von Dankbarkeit. Dabei wurden die teilnehmenden Studenten in drei Gruppen aufgeteilt. Jede Woche führten sie ein Protokoll über ihre Gefühle. Ein Drittel sollte über fünf entscheidende Erlebnisse berichten, ein Drittel über fünf Auseinandersetzungen und die letzte Gruppe über fünf Dinge, für die sie dankbar waren. Dann sollte herausgefunden werden, wie die Fokussierung auf diese verschiedenen Aspekte ihre Emotionen beeinflussen würde. Die Studie ergab folgendes: „Die dankbare Gruppe gab insgesamt weniger körperliche Beschwerden an, als die Gruppe, die sich auf die Auseinandersetzungen fokussiert hatte, und verbrachte erheblich mehr Zeit damit, Sport zu treiben, als die Mitglieder der beiden anderen Gruppen.“ Demnach hatte Dankbarkeit den Effekt, dass die Leute sich besser um sich selbst gekümmert haben. Zusätzlich haben sie sich aufgrund der dankbaren Einstellung körperlich besser gefühlt. Es würde sich doch lohnen, das auszuprobieren, oder nicht?

Das erinnert mich an ein Zitat von einer meiner Lieblingsautorinnen, Ellen White. Sie sagte: „Nichts trägt mehr zur Förderung körperlicher und seelischer Gesundheit bei, als eine Haltung der Dankbarkeit und des Lobes.“ (Auf den Spuren des großen Arztes, S. 203)

 

Über den Autor:

Jennifer Jill Schwirzer hat einen Master Abschluss als Beraterin für Mentale Gesundheit und übt diesen Beruf als lizensierte Fachberaterin aus. Sie ist eine weltweit gefragte Seminarsprecherin und hatte auch Sendungen beim US Fernsehsender 3ABN.

Quelle: Life and Health Network